Geschichte der Philippinen

Geschichte der Philippinen
Besiedlungsgeschichte
Archäologische Funde in der Provinz Cagayan (Nordluzon) deuten auf eine erste menschliche Besiedlung des Gebiets im mittleren und späten Pleistozän (ab ca. 250000 v. u. Z.). Diese Hominiden, vermutlich Verwandte des Java- und des Peking-Menschen sowie anderer asiatischer Frühmenschen, waren als Jäger zusammen mit heute auf den Philippinen längst ausgestorbenen Säugetieren (Nashorn, Zwergelefant, Stegodon u. a.) über damals bestehende Landbrücken vorn asiatischen Festland eingewandert. Die ältesten Spuren des Homo Sapiens auf den Philippinen (steinzeitliche Werkzeuge und fossile menschliche Knochenfragmente) entdeckten Anthropologen in den Tabon-Höhlen (bei Quezon, Insel Palawan). Untersuchungen mit der Radiokarbonmethode lassen eine Datierung auf ca. 30 500 v. u. Z. zu. Da Palawan Teil des Sunda-Schelfs ist, gilt es als erwiesen, daß der Tabon-Mensch< über eine südliche Landbrücke aus dem Gebiet des heutigen Borneo kam. Ein weiteres Indiz bekräftigt diese These: die Ähnlichkeit der frühmenschlichen Lebensforrmen der Taboi Kultur auf Palaxa in mit der Niah-Kultur in Saravv-ak, Ostmalaysia (Borneo). Vermutlich existierten zu dieser Zeit auch in anderen Philippineninseln Horno Sapiens Populationen. Als eigentliche Ureinwohner werden jedoch die Negritos angesehen, die im späten Paläolithikum (Altsteinzeit ab ca. 25 000 v. u. Z.), über Landbrücken von Kontinentalasien kommend, verschiedene Regionen der Philippinen kontinuierlich besiedelten.

Diese pygmäenhaften kraushaarigen Einwanderer aus straloider oder melanesischer Abkunft lebten als nomadisierender Jäger und Sammler in Höhlen, sie sind die älteste, heute noch auf mehreren philippinischen Inseln (Luzon, Panay, Negros, Palawan,Nordmindanao) vorhandene Menschengruppe. Nachdem die Landbrücken in Holozän, dem letzten Abschnitt der Erdneuzeit ( (zwischen ca. 25 000 und 10 000 v. u. Z. durch das Abschmelzen der eiszeitlich Gletscher ins Meer versunken waren, wurde den die negroiden Altstämme im Neolithikum (Jungsteinzeit) von seefahrenden Stammesverbänden alt- oder protomalaiischer Völker ethnisch überlagert bzw. in abgelegene, gebirgige Rückzugsgebiete verdrängt. Diese Volksgruppe mongolisch-kaukasischen Ursprungs bildet den ältesten Zweig der austronesischen Rasse, die sich, von China ausgehend, auf einer der längsten Völkerwanderungen der Menschheitsgeschichte über die halbe Erdkugel verbreitete, von Madagaskar bis zur Osterinsel. Den philippinischen Archipel erreichten die Protomalalen auf dem Seeweg (vermutlich über Borneo) in zwei großen Einwanderungsintervallen (ca. 3000 v. u. Z. und ca. 1000 v. u. Z.).

Sie brachten den Inseln eine weit höhere Kultur, als sie die auf vergleichsweise niedriger Entwicklungsstufe stehenden Negritos besaßen; u. a. führten sie erste Formen der Landwirtschaft und des Hausbaus ein (auf sie geht auch der traditionelle Brandrodungsfeldbau, Kaingin, zurück). Im Zentrum ihrer Naturreligion standen Schamanismus und ein ausgeprägter Totenkult; ein weiteres wichtiges Element ihrer Kultur war zudem die (noch bis Anfang unseres Jahrhunderts praktizierte) rituelle Kopfjagd. Zu den direkten Nachkommen der Altmalaien gehören die Bergstämme Mindanaos (Manobo, Bagobo u. a.) sowie die Igorot-Völker Nordluzons (Bontok, Ifugao, Kalinga u. a.), die Erbauer der dortigen großartigen Reisterrassen. In einer dritten großen Einwanderungswelle gelangten etwa zwei Jahrhunderte vor Beginn unserer Zeitrechnung austronesische jung- oder Deuteromalalen aus dem südchinesischen Raum auf die Philippinen. Diese Immigranten, die in maritim orientierten Sozialverbänden zusammengeschlossen waren (Beiname "Küstenmalaien"), verdrängten nun ihrerseits die Protomalaien (wie diese zuvor die Negritos) aus den fruchtbaren Küstenstreifen und leicht zugänglichen Tiefebenen ins gebirgige Binnenland. Die eigentlichen Jungmalaien bildeten nicht nur den Grundstock für die heute staatstragende Bevölkerung der Philippinen, sondern brachten als Träger der Dongson-Kultur ( Bezeichnung für die erste metallverwendende Kultur Indochinas und des malalischen Archipels; benannt nach einem bedeutenden Fundort im Norden Vietnams) auch einen enormen Zivillsationsschub in die philippinische Inselwelt: den Sprung von der Stein- in die Bronze- und Eisenzeit.

Wesentliche Kulturmerkmale der deuteromalaiischen Einwanderer waren u. a. der Gebrauch von Metallwerkzeugen und -waffen, die Einführung einer bereits sehr hochentwickelten Töpferkunst und der Haustierhaltung sowie die Entwicklung neuer Methoden in der Landwirtschaft und im Häuserbau (Pfahlbauten). Zwar existierten zur damaligen Zeit auf dem philippinischen Archipel noch keine größeren politischen Einheiten, doch lebten die Menschen bereits in gefestigten Gemeinschaften mit einem demokratisch gewählten Häuptling an der Spitze und einem alle Stammesmitglieder verpflichtenden Gesetzesgefüge (Adat).

Frühe Kontakte zu Nachbarstaaten
Die Philippinen lagen ab der Zeitenwende bis zum Beginn der spanischen Kolonisation mehr oder weniger an der Peripherie der bedeutenden geschichtlichen Ereignisse im südostastatischen Raum. Der Archipel und seine Bewohner haben an den vor allem unter indischen Einflüssen erfolgten großen kulturellen und staatlichen Entwicklungen in Südostasien kaum teilgenommen. Indien hatte schon in vorchristlicher Zeit begonnen, sich in Hinterindien und auf dem Malalischen Archipel auszudehnen. Nach dem Niedergang des expansiven südindischen Pallava Königreichs entstand im 9. Jahrhundert in Indonesien das indisierte buddhistische Großreich Sri Vijaya (ca. 800 - 1377), dessen Herrschaftsbereich im Zenit seiner Macht die Inseln Sumatra (das Kernland´der Sri Vijaya-Kultur mit der Hauptstadt Palembang), Borneo, Celebes und West-Java sowie weite Teile Hinterindiens umfaßte; sogar Ceylon war ihm lange Zeit tributpflichtig. Die Philippinen allerdings gehörten, trotz der räumlichen Nähe, nie unmittelbar zum Machtbereich des Sri Vijaya-Reichs. Nach anfänglich schwachen Handelskontakten, die vorwiegend von den beiden Fürstentümern Bandjarmasin und Brunei auf Borneo ausgingen,wurden lediglich die südphilippinischen Sulu-Inseln (durch die Heirat eines Sulu-Fürsten mit einer Prinzessin von Banjarmasin) dem Sri Vijaya-Imperium angegliedert.

Sulu entwickelte sich zu jener Zeit zu einem bedeutenden Zentrum des Warenaustauschs; hier unterhielten arabische, chinesische und siamesische Seehändler, aber auch Kaufleute aus dem alten Champa-Reich im südlichen Annam (etwa das Gebiet des heutigen Vietnam) wichtige Handelsstützpunkte. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erreichte eine weitere Einwanderungswelle die Philippinen: Die neue Spur malalischer Besiedlung zieht sich von Brunei und der Nordwestküste Borneos über Palawan zu den Zentral-philippinen (vor allem Panay, Mindoro und Südwestluzon). Die neuen Immigranten - malalische Datu ("Häuptlinge") mit ihren Gefolgsleuten, flohen vor der Gewaltherrschaft borneischer Sultane und gründeten in den Küstensäumen, nachdem sie das Land von den Eingeborenen im Tauschhandel erworben hatten, ihre Siedlungen. Der Name der Inselgruppe im Zentrum des philippinischen Archipels - Visayas - geht übrigens auf diese frühen Kolonisten aus dem Sri Vijaya-Reich zurück.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde Sri Vijaya allmählich vom aufsteigenden Königreich Majapahit (1293 - 1478) als dominierende Macht Südostasiens abgelöst. Auch diesem hinduistischen Großreich, dessen malalische Herrscher eine expansionsorientierte Politik betrieben, waren die Philippinen nie direkt unterworfen. Allerdings kam es durch Händler und Einwanderer zu einer verstärkten Ausbreitung indischer Kultureinflüsse, vor allem auf dem Sulu-Archipel, in der Gegend um den Lanao-See (Mindanao), auf den westlichen Inseln (Palawan, Mindoro, Panay und Cebu) sowie auch im Gebiet um die Bucht von Manila. Einwirkungen erfuhr das regionale Wirtschaftsgefüge, mehr noch aber das politisch-soziale und religiöse Leben sowie verschiedene Ausdrucksformen der Kunst. Funde hinduistischer Götterstatuen auf Cebu und Mindanao beispielsweise legen Zeugnis ab von der Beeinflussung des lokalen religiösen Brauchtums. Weitere Hinweise auf die Durchdringung der Naturreligionen und der Mythologie der alten philippinischen Stammesgruppen mit brahmanischen Merkmalen finden sich in den Götternamen (z. B. entwickelte sich die Bezeichnung Bathala für die höchste Gottheit der alten Tagalen aus dem Sanskrit-Begriff Bhattara). Die später einsetzende Islamisierung der südphilippinischen Inseln und schließlich vor allem die mit der Kolonisation durch die Spanier einhergehende Christianisierung haben jedoch die Elemente der indischen Hochkultur weitgehend überdeckt. Allein in der Sprache lebt das indische Erbe weiter:

Bei allen wichtigen philippinischen Sprachen und Regionaldialekten (einschließlich des Tagalog) finden sich Wurzeln aus dem Sanskrit und dem Tamilischen. Anzumerken ist, daß nie Zuwanderer in größerer Zahl direkt aus Indien ins Land gekommen sind, sondern daß hauptsächlich hinduisierte Malaien aus Borneo quasi als Mittler die indischen Einflüsse in die philippinische Inselwelt brachten. Einen anderen Charakter hatten die Beziehungen Chinas zu den Philippinen sie waren in erster Linie von wirtschaftlichen und weniger von politischen Interessen geprägt. Die Anfänge der chinesisch-philippinischen Handelskontakte liegen nachweislich im zweiten vorchristlichen Jahrhundert, eine Intensivierung erfuhr der Warenaustausch aber erst zur Zeit der Tang-Dynastie (618-906) und einen Höhepunkt schließlich während der SungDynastie (960-1280), als sich China zu einer bedeutenden Seemacht entwickelte. Die Dschunken liefen mit dem Nordostmonsun aus, segelten an der Küste Asiens entlang und kehrten mit dem Südwestmonsun über Borneo, den philippinischen Archipel und Taiwan wieder zurück. Wie Ausgrabungen beweisen, war dieser Handel sehr umfangreich.

Chinesische Kaufleute tauschten ihre Waren (Porzellan, Seide, Kupfergefäße, eiserne Gebrauchsgegenstände u. a.) gegen Gold und Naturprodukte der Einheimischen (Perlen, Muscheln, Abaka, wertvolle Hölzer, Baumwolle, Gewürze, Bienenhonig u. a.) ein. Zu den bevorzugten Handelsplätzen der Chinesen zählten damals die Inseln Luzon (Liusung), Mindoro und Palawan (Pa-Lao-Yu); teilweise gründeten sie hier (etwa ab dem 13. Jahrhundert) feste Niederlassungen, in die später chinesische Einwanderer strömten. Lange Zeit dienten philippinische Häfen auch arabischen Seehändlern (die zeitweise einen beträchtlichen Teil des sino-philippinischen Handels abwickelten, denen zu anderen Zeiten aber der Zugang zu chinesischen Häfen verwehrt war) als Warenumschlagplätze und Treffpunkte für ihre Transaktionen mit chinesischen Kaufleuten. Während der Ming Dynastie (1368-1644) waren verschiedene philippinische Stammesfürsten zeitweise dem Kaiser von China tributpflichtig. Ungeachtet ihrer bedeutsamen wirtschaftlichen Rolle zeigten chinesische Händler und Siedler niemals größere Ambitionen, auf den Philippinen ihre Religion, ihre Kunst oder ihre Lebensweise zu verbreiten. Die Einflußnahme konzentrierte sich vorwiegend auf das Wirtschaftsleben; kulturelle Einwirkungen waren eher eine Begleiterscheinung. Als ein wichtiges Kulturgut brachten die Chinesen das Porzellan mit, das schon bald bei allen philippinischen Stammesgruppen zu einem begehrten Artikel avancierte.Auch Japan pflegte schon Jahrhunderte vor Ankunft der Spanier Handelsbeziehungen zu den Philippinen. Japanische Seefahrer liefen jedoch fast ausschließlich Manila und Häfen in Nordluzon an. Den Japanern wird die Einführung der (heute noch sehr bedeutsamen) Fisch- und Entenzucht zugeschrieben; ihre frühen Niederlassungen entstanden überwiegend am Golf von Lingayen.

Die Islamisierung der südphilippinischen Inseln
Die Herrschaftszeit des hinduistischen Großreichs Majapahit währte nur knapp zwei Jahrhunderte; gegen Ende des 15. Jahrhunderts brach das kolonialindische Imperium unter der gewaltigen Machtentfaltung des islamischen Reichs von Malakka (1403-1511) zusammen. Der Islam gewann die Oberhand über ein weites Gebiet, das von der Malauschen Halbinsel über den Malalischen Archipel bis zu den südphilippinischen Inseln reichte. In seinem Gefolge bildeten sich Moslemstaaten, die indische und islamische Elemente zu einer Einheit verschmolzen (als einzige rein hinduistische Enklave blieb das indonesische Bali erhalten). Der Islam hatte Südostasien entlang der Handelswege erreicht. Bereits in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten waren arabische Händler vereinzelt über die Grenzen des asiatischen Kontinents hinaus in die westpazifische Inselwelt vorgestoßen; Manila wurde im 12. Jahrhundert einer ihrer bedeutendsten Handelsplätze im südostasiatischen Raum. Anfangs gab es keine Bekehrungsversuche; erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts begannen islamische Gelehrte, von Borneo her vordringend, auf den Sulu-Inseln ihr Missionierungswerk. 1380 erreichte der Araber Karim al-Makdum die kleine Insel Simunul und ließ dort die erste Moschee auf philippinischem Boden erbauen.

Zehn Jahre später folgte ihm der moslemische Malalenprinz Rajah Baginda von Sumatra mit seinen Gefolgsleuten. Zu einer machtvollen Ausbreitung des Islam kam es aber erst gegen 1450 mit der Ankunft von Abu Bakr aus Johore, der von dem Sultanat Brunei aus die Insel Jolo unterwarf und das erste Sultanat von Jolo gründete. Sharif Mohammed Kabungsuwan schließlich war der erste Moslemführer, der bis Mindanao vordrang; er heiratete dort eine einheimische Prinzessin und gründete 1475 das straff organisierte Sultanat Maguindanao (mit der Stadt Cotabato als Zentrum). Bemerkenswerterweise erwiesen sich die arabischmalalischen Eroberer-Missionare als vergleichsweise humane Kolonisatoren, die den Islam nicht mit Feuer und Schwert verbreiteten, sondern versuchten, mit Toleranz und Diplomatie ihre Interessen mit denen der Einheimischen zu verbinden. Die meisten der südphilippinischen Stämme nahmen die neue Lehre willig an, nur wenige weigerten sich und wichen in die Berge zurück. Mit dem Koran gelangten auch die arabische Schrift, orientalische Kunst, arabisches Recht und der arabische Kalender auf einen Teil der philippinischen Inselwelt. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts war der Islam bereits punktuell auf der Hauptinsel Luzon vertreten. Eine weitere Ausdehnung der politischen und kulturellen Einflußsphäre der Söhne Allahs verhinderte erst die spanische Kolonisation.

Die spanische Kolonialepoche / Magellan - der Entdecker
Aus dem Schatten der Weltgeschichte traten die Philippinen erst, als Fernäo de Magalhäes (besser bekannt unter seinem hispanisierten Namen Ferdinand Magellan), ein portugiesischer Seefahrer in Diensten der spanischen Krone, am 16. März 1521 bei der unbewohnten Insel Homonhon im Golf von Leyte vor Anker ging. Zwei Jahre zuvor war er mit einer Expedltionsflotte (fünf Schiffe und 265 Mann Besatzung) von der iberischen Halbinsel aufgebrochen, um einen westwärts führenden Seeweg nach Indien zu finden. Ein wichtiger Anstoß für die Umsegelung Südamerikas war dabei der gewinnbringende Gewürzhandel gewesen, der angesichts der mangelhaften Konservierungsmöglichkeiten der damaligen Zeit weitaus größere Bedeutung hatte als heute. Magellan nannte die Inseln, für die er im Namen seines Kaisers Karl V. Besitzansprüche geltend machte, >Archipelago de San Lazaro<. Ende März erreichte die spanische Flotte die der Südspitze Leytes vorgelagerte kleine Insel Limasawa, wo Magellan mit dem Stammesführer Rajah Kolambu einen Blutsbund schloß (ein Vertrag, bei dem ein Partner vom Blut des anderen trank), und Pedro de Valderrama, ein katholischer Priester, am Ostersonntag des Jahres 1521 die erste christliche Messe auf philippinischem Boden zelebrierte.

Am 7. April 1521 landete Magellan auf Cebu (damals unter dem Namen Sugbu bekannt und eine bedeutende Handelskolonie arabischer, chinesischer und siamesischer Kaufleute); es folgten ein Blutspakt mit dem Inselherrscher Rajah Humabon und wenig später die Konvertierung Humabons, seiner Familie und von 800 seiner Gefolgsleute zum christlichen Glauben. Lediglich einer der lokalen Stammeshäuptlinge, LapuLapu von der Insel Mactan, widersetzte sich allen Missionierungs- und Unterwerfungsabsichten, iberische Stärke unter Beweis stellend und in der vermeintlichen Gewißheit, die militärische Überlegenheit zu besitzen, entschloß sich Magellan zum Angriff, fand jedoch bereits beim Landungsversuch den Tod, als sich seiner kleinen Schar von nur 60 bewaffneten Spaniern in den flachen Mangrovengewässern Mactans rund 2000 eingeborene Krieger entgegenstellten. Lapu-Lapu, Magellans Bezwinger, ging als frühester Fretheitsheld der Philippinen in die Geschichte ein, konnte mit seiner Tat jedoch die Eroberung und Christianisierung der Inseln nicht mehr aufhalten. Nach dem Tod ihres Generalkapitäns setzte die nur noch aus zwei Schiffen und einer stark dezimierten Besatzung bestehende Armada ihre Reise in westlicher Richtung fort. Lediglich ein Schiff (mit nur noch 18 Seeleuten an Bord) vollendete im September 1522 die erste Weltumsegelung der Geschichte und erbrachte damit den endgültigen Beweis für Galileis These von der Kugelgestalt der Erde. Aber allein die wertvolle Ladung der Victoria (vorwiegend Gewürze von den Molukken) reichte aus, um die Kosten für die aufwendige Expedition um ein Vielfaches zu übertreffen und, mehr noch, das Interesse der Spanier an den fernen Inseln endgültig zu entfachen.

Im Vertrag von Tordesillas (1494) hatte Papst Alexander Vl. die neu entdeckten oder noch zu entdeckenden überseeischen Gebiete zwischen den katholischen Weltmächten Spanien und Portugal aufgeteilt: Spanien erhielt alle Gebiete westlich, Portugal alle Gebiete östlich einer imaginären, 370 leguas (spanische Meile = 51/3 km) westlich der Kapverdischen Inseln von Pol zu Pol verlaufenden Demarkationslinie zugesprochen. Zunächst bestand in Europa keine Klarheit darüber, wem der philippinische Archipel zuzuordnen sei - wo endete Westindien, die spanische Einflußsphäre, und wo Ostindien, der portugiesische Herrschaftsbereich? Im Vertrag von Saragossa (1529) gab Kaiser Karl V. Spaniens Hoffnungen auf den Gewürzhandel mit Asien auf und trat alle Besitzansprüche auf die Gewürzinseln (Molukken) und die Philippinen gegen eine Entschädlgungssumme von 350 000 Golddukaten an die Portugiesen ab. Somit wurde Portugal für 36 Jahre Kolonialmacht auf der fernen Inselwelt, ohne daraus jedoch größeren politischen oder wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Die Spanier hielten sich an das Abkommen von Saragossa, indem sie die portugiesische Souveränität über die Molukken respektierten; ihr Interesse an den Philippinen aber gaben sie nicht auf. Allem Anschein nach waren sich die Portugiesen deren handelsstrategisch außerordentlich günstiger Lage (China!) nicht bewußt, denn sie erhoben keine Einsprüche, als die Spanier zwischen 1525 und 1542 vier weitere Expeditionen zu dem fernöstlichen Inselreich entsandten und Ruy Lopez de Villalobos dem Archipel zu Ehren des Infanten von Spanien, Philipp 2. den Namen "Islas Filipinas"gab(1542).

Legazpi - der Eroberer
Die 333jährige spanische Kolonialherrschaft über die Philippinen begann aber erst 1565. Philipp der 2., Sohn Karls V. und seit 1556 König von Spanien, hatte ein großes Interesse an einem Handelsstützpunkt im Westpazifik zwischen China, Macao und den Molukken, und so ordnete er 1559 an, die philippinischen Inseln dem spanischen Kolonialimperium anzugliedern. Im November 1564 verließ eine spanische Flotte unter Führung von Miguel Lopez de Legazpi und Andres de Urdaneta, einem Augustinermönch, Mexiko (oder Neuspanien, wie es damals genannt wurde) und erreichte im März 1565 die Küste Bohols. 44 Jahre nach dem Entdecker Magellan kreuzte mit Legazpi ein Eroberer in der philippinischen Inselwelt auf. Geschickt schloß der spanische Konquistador Blutsbrüderschaft mit Stammeshäuptlingen (z. B. am 16. März 1565 mit Rajah Sikatuna von Bohol); wo Diplomatie nicht half, setzte er die Überlegenheit der spanischen Waffentechnik ein. Am 27. April 1565 nahm er, nach erbitterter Gegenwehr der Einheimischen, die Insel Cebu in Besitz und gründete wenig später die Stadt Cebu, die älteste Stadt der Philippinen, die unter dem Namen "Ciudad del Santissimo Nombre de jestis" bis 1571 als Hauptstadt von Spaniens fernöstlicher Kolonie diente.

Von ihrer befestigten Wehrsiedlung auf Cebu aus erweiterten die Spanier rasch ihren Machtbereich: Der Unterwerfung der Inseln Panay, Masbate und Mindoro folgte 1571 die Eroberung von Maynilad, einem kleinen Fürstentum unter dem Moslemführer Rajah Sulayman an der Mündung des Pasig-Flusses auf der Insel Luzon. An der Stelle des moslemischen Palisadenforts gründete Legazpi im Juni 1571 eine von Mauern geschützte Stadt mittelalterlich-spanischen Stils, die über drei Jahrhunderte lang das Kernstück der spanischen Kolonie in Südostasien bleiben sollte: Manila. Beim Tod Miguel Lopez de Legazpis, des ersten Gouverneurs der Philippinen (Beiname "EI Adelantado"; etwa "Der Voranschreitende"), im August 1572 war die Eroberung des Archipels im wesentlichen bereits abgeschlossen. Mit Ausnahme der moslemischen Sultanate Mindanaos und Sulus kontrollierten die Spanier Ende des 16. Jahrhunderts bereits die gesamte philippinische Inselwelt.

Die Kolonisation
Zur Zeit der Eroberung durch die Spanier waren die philippinischen Inseln nur dünnbesiedelt; die Gesamtbevölkerung betrug vermutlich nur knapp eine Million. Die meisten Menschen lebten in verstreuten, voneinander isolierten Sippen- und Dorfgemeinschaften, die nach den Booten der malalischen Einwanderer Barangay, (heute noch die unterste politische Verwaltungseinheit) genannt wurden. Diese am indisch-malalischen Vorbild orientierte soziale Organisationsform umfaßte in der Regel 30-100 Familien. Der dörflichen Siedlung stand der Datu ("Häuptling") vor (in größeren Dörfern Rajah oder Lakan genannt = Fürst), der gleichzeitig die Spitze einer aus drei Klassen zusammengesetzten gesellschaftlichen Pyramide bildete: den Adeligen (Maharlika), den Freien (Timawa) und den Sklaven (Alipin). Zwar hatten sich verschiedentlich Barangay nach der Heirat von Häuptlings oder Fürstenkindern sowie zur Verteidigung gegen externe Feinde zu Konföderationen zusammengeschlossen, doch existierte noch kein übergreifendes, alle Inseln umfassendes politisches Gemeinwesen. Dieses Fehlen einer staatlichen Einheit und einer Zentralgewalt erleichterte den ab Ende des 14. Jahrhunderts von Borneo über den Sulu-Archipel her vordringenden Moslems ebenso wie den Spaniern die Kolonisationsarbeit ganz entscheidend. Erst während ihrer Herrschaftszeit formten die Spanier die philippinischen Inseln zu einem Staatsgebilde.

Die Ziele der iberischen Kolonisatoren lagen auf der Hand: Sie wollten wirtschaftlichen Nutzen aus ihrem fernöstlichen Besitz ziehen, sich einen Stützpunkt für ihre Weltmachtpolitik schaffen und die Seelen der heidnischen Indios, wie sie die Eingeborenen nannten, retten. Eine Schlüsselrolle bei der Eroberung und der kolonisatorischen Erschließung der Philippinen spielte der spanische Klerus. Neben Soldaten und Beamten kam eine Vielzahl von Mönchen verschiedener rellgiöser Orden (zunächst die Augustiner; später Dominikaner, Franziskaner und Jesuiten) von der iberischen Halbinsel. Mit dem Kreuz in der einen Hand, dem Schwert in der anderen und Gott als mächtigern Verbündeten gelang den Spaniern schon in kurzer Zeit die Bekehrung eines Großteils der Inselbewohner zum Katholizismus. Die rasche Christianisierung der Philippinen unterstützte dabei in hohem Maße die Ausbreitung bzw. Festigung der politischen Herrschaft der spanischen Krone - Spaniens Priester und Mönche waren die eigentlichen Eroberer des Landes. Die mächtigen Mönchsorden waren nicht auf den sakralen Bereich beschränkt; es bestand Einheit von Kirche und Staat, und die Fratres vereinigten bald einen großen Teil der weltlichen Macht in ihren Händen. Dem Klerus oblagen Bildung und Erziehung (Schulen und Universitäten wurden bereits ab Ende des 16. Jahrhunderts gegründet), Angehörige geistlicher Orden hatten aber auch führende Positionen in der Administration inne und konnten so direkt Einfluß nehmen auf das politische Geschehen.

Die Spanier begannen bald, ihr bewährtes koloniales Siedlungsmuster durchzusetzen, d. h. das ehemalige Stammesland in sogenannte Encomiendas (Verwaltungsbezirke) einzuteilen und diese verdienten Persönlichkeiten zu übereignen. Ebenso wie die spanische Aristokratie und teilweise die traditionelle einheimische Nobilität (Lokalfürsten u. a.) gelangte auch die katholische Kirche durch das Encomienda-System in den Besitz riesiger Latifundien, was die Orden vermögend und auch mächtig machte. Die Encomenderos knechteten ihre Untertanen durch hohe Tribute (Bandala), von denen sie wiederum einen Teil an die Krone abführen mußten, und vor allem durch ein Zwangsarbeitssystem (Polo), das alle männlichen Filipinos zwischen 16 und 60 Jahren dazu verpflichtete, 40 Tage im Jahr unentgeltlich bestimmte Arbeiten (Bau von Kirchen, Festungen, Straßen u. a.) zu verrichten. Über 250 Jahre lang waren die Philippinen Kronkolonie unter Spaniens Vizekönig in Mexiko. Erst nach der mexikanischen Revolution (1821) wurden die Inseln Madrid direkt unterstellt kamen Sitz und Stimme in der Cortes, der legislativen Gewalt im Mutterland. Die Spanier schufen die Grundlagen für eine nationale Einheit, indem sie das Inselreich unter einer stark zentralisierten Verwaltung zusammenfaßten. Regiert wurden die Inseln von einem Generalgouverneur, der als Repräsentant der spanischen Krone über beinahe unbegrenzte Vollmachten verfügte. Verwaltungsmäßig waren die Philippinen in kolonisierte Provinzen (Alcaldias) und unbefriedete Regionen (Corregimiendos), denen Zivilgouverneure bzw. Militärbefehlshaber vorstanden, untergliedert. Die Provinzen teilten sich in größere Orte (Pueblos) und diese wieder in Dörfer (Barangay), zu deren Verwaltung die Spanier vorwiegend Einheimische als Gobernadorcillos bzw. Cabezas de Barangay einsetzten.

Angriffe auf Spaniens Kolonie
Während es den Spaniern schon bald gelang, alle Spuren des Islam auf Luzon und den zentralphilippinischen Inseln rigoros zu tilgen, konnten sie bis zum Ende ihrer Kolonialzeit auf Mindanao und dem Sulu-Archipel nur punktuell Fuß fassen. Die mächtigen Moslemsultanate der südphilippinischen Inseln waren fast gleichzeitig mit dem Fall der letzten islamischen Bastion in Spanien (Granada, 1492) entstanden. Ihr zirkumglobaler Vorstoß ließ die Spanier nun auf der anderen Seite der Erdkugel mit der östlichen Wachstumsspitze des Islam zusammentreffen; wieder sahen sie sich mit ihren Erzfeinden konfrontiert, mit den Moros, wie sie die Moslems verächtlich nannten, auch wenn es sich auf den Philippinen nicht um nordafrikanisch-andalusische Mauren handelte, sondern um Mohammedaner malaiischer Abkunft. 1578 begannen die Spanier, noch gänzlich beherrscht vom Geist der Reconquista, mit ihren Feldzügen gegen die Moros, die ihrerseits zurückschlugen und bis zur zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts als gefürchtete Piraten mit ihren schnellen Lantakas die Gewässer der Visayas und Südluzons verunsicherten. Erst 1876 wurde die Insel Jolo, die Hochburg des philippinischen Islam und Sitz des wichtigsten Sultanats, endgültig der spanischen Autorität unterstellt.

Der fernöstliche Ableger von Spaniens Kolonialimperium war von Anfang an nicht nur von kriegerischen Moslems bedroht. Legazpis Brückenkopf auf Cebu wurde bereits in den Jahren 1568-70 mehrfach von den Portugiesen (dem Vertrag von Saragossa zufolge die rechtmäßigen Besitzer der Philippinen) attackiert. Die portugiesischen Angriffe endeten erst, als König Philipp. von Spanien 1580 Portugal mit Waffengewalt annektierte und damit die beiden Nationen der iberischen Halbinsel zu einer politischen Union zusammenschloß. Manila war 1574/75 einer ernsten Bedrohung durch den chinesischen Piraten Limahong ausgesetzt. Versuche Japans, die Philippinen ihrem Kaiserreich anzugliedern, schlugen Ende des 16. Jahrhunderts fehl. Die protestantischen Holländer, die im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) gegen die spanische Krone um ihre politische Unabhängigkeit und religiöse Freiheit kämpften, trachteten danach (nachdem sie die Portugiesen aus deren indonesischen Kolonien vertrieben hatten), die Philippinen in den Griff zu bekommen. Zwischen 1600 und 1646 attackierten holländische Schiffe von Batavia (heute Jakarta) aus mehrmals das spanische Manila. In der entscheidenden Seeschlacht um Manila (La Naval de Manila) errangen die Spanier im März 1646 endgültig den Sieg, und 1648 wurden die Philippinen im Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, Spanien zugesprochen. Während des Siebenjährigen Kriegs (1756-63) befand sich Spanien als Verbündeter Frankreichs im Konflikt mit Großbritannien. 1762 eroberten die Briten vorübergehend Manila (Sack of Manila); ein Jahr später beendete der Frieden von Paris (10. Februar 1763) den mit dem Siebenjährigen Krieg verbunden denen überseeischen Kolonialkrieg und bestätigte die Herrschaft Spaniens über die Philippinen. Zu den Angriffen von außen kam vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Ende der spanischen Kolonialepoche eine interne Bedrohung in Form häufiger Aufstände unzufriedener chinesischer und japanischer Siedler sowie einheimischer Filipinos, die jedoch von den Spaniern jedes Mal mit eiserner Hand niedergeschlagen wurden.

Der Manila-Acapulco-Handel
Während aus Spaniens lateinamerikanischenen Kolonien immense Ströme von Edelmetallen in die Schatzkammern des Mutterlands flossen, galten die Philippinen als eine wenig einträgliche Kolonie, die lange Zeit sogar auf Subventionen angewiesen war. Große Bedeutung besaß die Inselwelt in erster Linie als handelsstrategisches Bindeglied zwischen dem spanischen Imperium und China. Manila, das Zentrum des spanischen Fernosthandels und nach der Vereinigung der Kronen Spaniens und Portugals Teil eines transglobalen Handelsnetzes, wurde zu einem einzigartigen Verbindungsplatz zu der abgeschlossenen Welt der späten Ming Dynastie. Die erste warenbeladene Galeone, die "San Pedro", das Flaggschiff der Legazpi-Expedition, überquerte bereits 1565 den Pazifik in Richtung Mexiko und leitete damit zweieinhalb Jahrhunderte äußerst profitablen Handels zwischen der östlichen und westlichen Hemisphäre ein. Alljährlich lief eine Flotte chinesischer Dschunken den Hafen von Cavite in der Bucht von Manila an, reichbeladen mit Porzellan, Seide, Elfenbein, Perlen, Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten. Die Spanier kauften diese exotischen Güter auf und verschifften sie nach Mexiko. Transportmittel waren die berühmten Galeonen (regierungseigene, schwere Frachtensegler mit einer Wasserverdrängung bis zu 2000 Tonnen), die auf ihrem Heimweg von Acapulco mexikanische Silberdollars (schon bald die gängige Währung in den Häfen Ostasiens) mitbrachten.

Auf seinem Höhepunkt erreichte der Manila-Acapulco-Handel den Wert des transatlantlschen Handels von Sevilla. Nach Protesten spanischer Städte (Sevilla, Cadiz u. a.), die ihre Handelsdomäne bedroht sahen, beschränkte der spanische Hof den philippinisch-mexikanischen Warenaustausch auf nur ein Schiff jährlich. Der überaus einträgliche Galeonenhandel brachte den daran beteiligten Spaniern in Manila Wohlstand und Macht, war aber auch der Grund dafür, daß sie die Binnenwirtschaft (vor allem die Landwirtschaft) ihrer Kolonie vernachlässigten. Mit sinkender Nachfrage nach asiatischer Ware in Mexiko trat der Manila-Acapulco-Handel zu Beginn des 19.Jahrhunderts in seine Endphase; die letzte Galeone befuhr im Jahr 1815 diesen gefährlichen, aber ergiebigen Handelsweg. Als es gegen Ende des 18. Jahrhunderts in ersten Ansätzen zu einer Liberalisierung des Welthandels im Sinne der Theorien des Franzosen Francols Quesnay und des Schotten Adam Smith kam, hoben die Spanier ihr Handelsmonopol für die Philippinen auf. Nach dem Ende des Galeonenhandels erhielten Schiffe unter fremder Flagge Zugang zu den philippinischen Häfen; ausländischen Gesellschaften (vor allem Amerikanern und Briten) wurde erlaubt, in philippinischen Städten Niederlassungen zu gründen. Ungewollt öffneten die spanischen Kolonialherren dadurch aber auch neuen politischen Theorien und liberalem Gedankengut Tür und Tor und leiteten damit gleichzeitig den Niedergang der eigenen Macht ein.

Der Kampf gegen die spanische Kolonialherrschaft
Während der drei Jahrhunderte spanischer Herrschaft gab es im Durchschnitt alle fünf Jahre einen Aufstand. Häufig wurden diese Erhebungen von Eingeborenenpriestern (Babaylan) organisiert (z. B. die Sumoroy-Rebellion auf Samar, 1649-50). Die längste Revolte in der philippinischen Kolonialgeschichte, die 1744 auf der Insel Bohol begann, dauerte 85 Jahre; während dieser Zeit zogen sich 20 000 Boholanos unter Führung Francisco Dagohoys ins bergige Inselinnere zurück, gründeten lebensfähige Dorfgemeinschaften und behaupteten bis 1829 ihre Unabhängigkeit. Doch dies waren nur lokale Erhebungen, ausgelöst durch die Zwangsarbeit, Tributpflicht oder Übergriffe von Großgrundbesitzern. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich immer mehr Filipinos ihrer rassischen Diskriminierung und wirtschaftlichen Benachteiligung bewußt wurden, nahm der Nationalismus, dessen Kern der Befreiungsgedanke vom kolonialen Joch war, schärfere Konturen an. Überall im Lande entstanden antikoloniale Freiheitsbewegungen, die vor allem von einem liberal gesonnenen Mestizen-Bürgertum (etwa ab 1830 entstanden), einheimischen christlichen Priestern und bäuerlichen Sozialrevolutionären getragen wurden. Sprecher und Katalysatoren des allgemeinen Protests und Widerstands gegen die Spanier wurden die sogenannten Ilustrados. Diese Intellektuellen, meist Söhne philippinisch-spanischer oder philippinisch-chinesischer Grundbesitzer, waren während ihres Studiums in Europa mit dem Gedankengut der Französischen Revolution in Berührung gekommen und forderten nun in ihrem Heimatland Reformen, die sich aber durchaus noch in einem maßvollen Rahmen bewegten (etwa der Wunsch nach Aufhebung des Kolonial- zugunsten eines Provinzstatus der Philippinen).

Die spanische Revolution von 1868, die zum Sturz der autokratisch regierenden Königin Isabella der 2. und zur Ausrufung der Republik führte, hatte eine Liberalisierung der Kolonialpolltik zur Folge. Mit der Restauration der Monarchie in Spanien (1870) setzte jedoch das tyrannische Regiment der weltlichen und kirchlichen Machthaber auf den Philippinen wieder ein, und damit flammten erneut Revolten auf, wie' jene von Cavite, die als der eigentliche Beginn des nationalen Unabhängigkeitskampfes bezeichnet werden kann. Am 20. Januar 1872 hatten 200 philippinische Soldaten im Arsenal von Cavite gegen ihre spanischen Vorgesetzten gemeutert; der Aufstand wurde niedergeschlagen, und es kam zu grausamen Repressalien: Die der aktiven Subversion beschuldigten philippinischen Geistlichen Jose' Burgos, Marlano Gomez und Jacinto Zamora wurden öffentlich mit der Garotte erwürgt. Nach dem Märtyrertod der drei Priester organisierten sich im Exil lebende Ilustrados unter Führung von Dr. Jose Rizal (1861-96), Marcelo H. del Pilar (1850-93) und Graciano Lopez Jaena (1856-96) zur "Propagandabewegung". In ihr schlossen sich die Theoretiker und geistigen Urheber der philippinischen Unabhängigkeitsbewegung zusammen, deren Ziel eine Abschaffung des Kolonialsysterns auf friedlichem Wege war; als wichtigstes Organ der Propagandistem erschien von 1889-95 in Barcelona die kritische Zeitung" La Solidaridad" Eine weitere wichtige Organisation der Exil-Filipinos war zu jener Zeit die Associacion Hispano-Filipina mit Sitz in Madrid. 1892 gründete Jose Rizal, aus dem Exil in Hongkong nach Manila zurückgekehrt, die gemäßigte, aber entschieden antiklerikale Liga Filipinia. Die Proteste Rizals und anderer kritischer Denker richteten sich in erster Linie gegen die rein theokratisch organisierte katholische Kirche und deren an der Konservierung feudaler Gesellschaftstrukturen orientierten Haltung. Die Spanier brachten den revolutionären Agitator, zum Schweigen, indem sie ihn nach Dapitan (Mindanao) verbannten.

Noch im selben Jahr folgte auf die bürgerliche Reformbewegung der Compromisarios die Gründung des revolutionären Geheimbunds Katipunan (Kataastaasan Kagalanggalangang Katipunan ng mga Anak ng Bayan ="Hochangesehene und ehrenwerte Organisation der Söhne des Volkes") unter Andres Bonifacio (1863-97). Diese militante Bewegung, die sich überwiegend aus den unteren Gesellschaftsschichten rekrutierte, entfachte 1896 die Philippinische Revolution (übrigens die erste nationale Revolution in Asien). Nach Bonifacios Hochruf auf die Unabängigkeit der Philippinen am 19. August 1896 in den Hügeln von Balintawak ("Cry of Balintawak") brach der allgemeine Aufstand zunächst in den acht Tagalog-Provinzen Zentralluzons aus, verbreitete sich jedoch (nachdem sich die Filipinosoldaten der Kolonialregierung auf die Seite der Freiheitskämpfer gestellt hatten) rasch über das ganze Land. Trotz der schlechten Bewaffnung der Aufständischen, die teilweise mit Bolos (Buschmesser) und Bambusspeeren kämpften, wurden die Spanier nicht Herr der Lage. Ihre Antwort auf die Rebellion war die Errichtung eines Terrorregiments: Tausende von Fillpinos wurden in die Gefängnisse geworfen, viele der Revolutionäre hingerichtet. Am 30. Dezember 1896 starb auch Jose Rizal, stets ein Verfechter der Gewaltlosigkeit, unter den Kugeln eines spanischen Exekutionskommandos, nachdem ein Gericht ihn des Aufruhrs für schuldig befunden hatte. Nach Auseinandersetzungen zwischen rivallsierenden Revolutionsgruppen, die zum Tode Andres Bonifacios führten, erwuchs der Philippinischen Revolution 1897 in General Emilio Aguinaldo (1869-1964) eine neue Führerpersönlichkeit. Im Dezember desselben Jahres unterzeichnete der spanische Generalgouverneur, der keine Möglichkeit für die militärische Unterwerfung der Aufständischen mehr sah, den Vertrag von Biak-na-Bato. In dem Abkommen verpflichtete sich die spanische Kolonialmacht, das Reformprogramm der Unabhängigkeitsbewegung (Ausweisung der Orden, erneute Repräsentation der Philippinen in der spanischen Cortes, rechtliche Gleichstellung der Filipinos mit den Spaniern, Garantie der Menschenrechte u. a.) zu erfüllen; Auflage war, daß sich Aguinaldo und andere Führer der Revolte außer Landes begaben.

Der Spanisch-Amerikanische Krieg
Am 20. April 1898, einige Wochen, nachdem das amerikanische Kriegsschiff Maine unter geheimnisvollen Umständen im Hafen von Havanna (Kuba war damals ebenfalls spanische Kolonie) explodiert war, erklärte die Junge Großmacht USA dem königlichen Spanien den Krieg. Nur zehn Tage später zerstörte das amerikanische Pazifikgeschwader unter dem Kommando von Admiral George Dewey nach kurzem Gefecht die spanischen Kriegsschiffe in der Bucht von Manila und leitete damit eine fast vier Monate dauernde Blockade der Hauptstadt ein. General Aguinaldo verbündete sich mit den Amerikanern, von denen er als Gegenleistung die Zusicherung der Unabhängigkeit erhielt, und kontrollierte mit seinen Truppen bald das ganze Gebiet um Manila. Am 12. Juni 1898 proklamierte er in Kawit Kavite bei Manila die Unabhängigkeit der Philippinen. In der Zwischenzeit führten die Amerikaner mit den belagerten Spaniern Geheimverhandlungen und nahmen Manila am 18. August 1898 nach einem Scheingefecht ein. Der Grund für das ungewöhnliche Verhalten: Die Spanier wollten ihr Gesicht wahren und sich den weißen Amerikanern, aber nicht den braunen Aufständischen ergeben. Am Ende des spanisch-amerikanischen Konflikts stand der Friedensvertrag von Paris (10. Dezember 1898), in dem die absteigende Großmacht Spanien der aufsteigenden Weltmacht USA die Philippinen, Puerto Rico und Guam für eine Entschädlgungssumme von 20 Millionen US-$ überließ. Mit der Ratifizierung des Abkommens durch den amerikanischen Senat gingen die Philippinen in den direkten "Besitz" der Vereinigten Staaten über.

Die amerikanische Kolonialepoche
Als die Amerikaner im Sommer 1898 Manila attackierten, sahen die Filipinos in ihnen Bundesgenossen im Kampf gegen die verhaßte spanische Kolonialherrschaft. Die USA unterstützten die Philippinische Revolution jedoch nicht im Interesse der Freiheit, sondern mit dem Ziel, die spanische Seeherrschaft im Pazifik zu brechen. Wirtschaftlicher Expansionsdrang, Bedarf an billigen Rohstoffen und Interesse an einer strategisch günstigen Basis vor dem Kontinentalrand Asiens - das waren weitere Gründe für die im Vertrag von Paris verankerte Annexion der Philippinen. Doch die amerikanische Kolonisation der Inseln erwies sich als schwieriger als erwartet, denn Aguinaldo, der sich von den ehemaligen Verbündeten betrogen fühlte, begann nun einen Partisanenkrieg gegen sie. Am 23. Januar 1899 hatte der in Malolos bei Manila zusammengetretene Revolutionskongreß eine neue, am Vorbild junger, unabhängiger lateinamerikanischer Nationen orientierte Verfassung verkündet und Emilio Aguinaldo zum Präsidenten der Ersten Republik der Philippinen ernannt. Die Amerikaner erkannten weder den Präsidenten noch seine Regierung an. Nach dem Zwischenfall auf der San Juan-Brücke in Manila bei dem ein Filipino durch eine amerikanische Kugel den Tod fand, erklärte Aguinaldo den Amerikanern am 5. Februar 1899 den Krieg. Es war der erste Guerillakrieg in Asien; auf seinem Höhepunkt band er zwei Drittel der gesamten US-Streitkräft auf den Philippinen (126 000 Mann) und nahm an Brutalität den Vietnamkrieg vorweg. Nach zwei Jahren erbitterten Kampfes gab sich Aguinaldo geschlagen und legte den Treueeid auf das Sternenbanner ab. Widerstandsgruppen der Katipunan Bewegung kämpften vereinzelt jedoch noch bis 1911. Bilanz des philippinisch-amerikanischen Kriegs: Rund 4200 gefallene US-Soldaten, über 16 000 getötet Filipino-Guerillas und etwa 200 000 Tode Opfer unter der philippinischen Zivilbevölkerung.

So erbarmungslos die Amerikaner das Land unterworfen hatten, so planmäßig gingen sie danach an seine Zivilisierung. Sie errichteten eine funktionierende Infrastruktur, schufen ein modernes Verwaltungssystem und bauten Schulen und Krankenhäuser. Es begann die beinahe fünf Jahrzehnte dauernde Periode der "Coca-Kolonisierung", während der Amerikaner den Philippinen all das brachten, was sie unter Kultur verstanden. Kein anderes Land, Guam ausgenommen, habe die Amerikaner so lange und so nachdrücklich nach ihren Vorstellungen und Idealen prägen können wie ihre fernöstliche Kolonie. Dabei wurden die Philippinen unter allen asiatischen Kolonialstaaten des 20. Jahrhunderts zweifellos am liberalsten verwaltet. Philippinische Historiker sprechen von einer "noblen Kolonialpolitik", die von allen während der US-Herrschaft über den Archipel amtierenden Präsidenten, von McKinley bis Franklin D. Roosevelt, sowie von allen amerikanischen Zivilgouverneuren, von Taft bis Murphy, praktiziert wurde. Die von Präsident McKinley eingesetzte amerikanisch-philippinischekommission entwarf ein politisches System, für das der staatliche Aufbau in den USA als Muster diente. 1907 wurde eine gesetzgebende Versammlung eingeführt, die zwar nur sehr begrenzte Befugnisse besaß, in der aber die von Manuel L. Quezon und Sergio Osmena gegründete Nationalistische Partei bereits vertreten war. 1916 versprach das von Präsident Wilson unterzeichnete Jones-Gesetz den Philippinen die Unabhängigkeit, sobald eine stabile Regierung errichtet werden kann, und erweiterte überdies das Parlament. Die legislative Gewalt übten nun ein Senat und eine Abgeordnetenkammer aus, deren Mitglieder in der Mehrzahl gewählt wurden. Die Verabschiedung des Tydings-McDuffie-Gesetzes legte 1934 die Grundlage für die Schaffung einer Commonwealth-Regierung, die das Land in einer Übergangsperiode von zehn Jahren in die Unabhängigkeit führen sollte. Erster Präsident des am 15. November 1935 ausgerufenen Commonwealth of the Philippines war Manuel L. Quezon (1878-1944), Vizepräsident Sergio Osmena. Die Philippinen verfügten zu dieser Zeit über eine weitgehende innere Autonomie, allerdings mußten die vom philippinischen Parlament verabschiedeten Gesetze weiterhin von der amerikanischen Regierung und dem Senat gebilligt werden.

Der Zweite Weltkrieg und die japanische Besetzung
Mit dem Überraschungsangriff japanischer Tiefflieger auf Pearl Harbor, den amerikanischen Marinehafen auf der Hawaii-Insel Oahu, brach am 7. Dezember 1941 der Pazifikkrieg aus. In einer Zangenbewegung landeten einen Tag später Truppen der kaiserlich-japanischen Armee auf Mindanao und Nordluzon. Außerstande, die Offensive der Invasoren aufzuhalten, mußten sich die Einheiten der von US-General Douglas MacArthur aufgebauten philippinisch-amerikanischen Streitkräfte (United States Armed Forces in the Far East USAFFE) auf die Festungsinsel Corregidor in der Manila-Bucht und in die Bergdschungel der Bataan-Halbinsel zurückziehen. Der Eroberung Manilas am 2. Januar 1942 folgte der japanische Angriff auf die beiden letzten Bastionen der Alliierten. Nach hohen Verlusten auf Bataan und nachdem Präsident Quezon und General MacArthur nach Australien geflohen waren, streckten die philippinisch-amerikanischen Truppen die Waffen. Ihre Kapitulation am 9. April 1942 (Fall von Bataan) leitete eines der dunkelsten Kapitel in der philippinischen Geschichte ein - den Todesmarsch von Bataan. Rund 76 000 alliierte Kriegsgefangene mußten den über 100 km langen Weg in die Japanischen Konzentrationslager von Capas in der Provinz Tarlac antreten; nur 56 000 erreichten ihr Ziel, weitere 24 000 starben in den Lagern. Die japanische Propaganda hatte während der Invasion noch die rassische und kulturelle Einheit der Völker Asiens beschworen und den Filipinos die Befreiung von der amerikanischen Kolonialherrschaft versprochen. Während ihrer dreijährigen Besatzungszeit errichteten sie jedoch ein Regime des Schreckens und machten sich durch Akte der Willkür und Grausamkeit verhaßt; vor allem der Name des Generals Yamashita (Oberbefehlshaber der japanischen Streitkräfte auf den Philippinen) wurde zu einem Synonym für Greueltaten.

Im Oktober 1943 installierten die Okkupanten eine Marionettenregierung unter Präsident Jose Laurel. Zwar kollaborierte eine Anzahl hoher Beamter und Großgrundbesitzer mit der Besatzungsmacht, doch unterstützte die überwiegende Mehrheit der Filipinos die antijapanische Widerstandsarmee Hukbalahap (Hukbong bayani laban sa hapon; kurz Huk Volkskämpfer gegen Japan). Im Verlauf einer erfolgreichen Gegenoffensive, der heftige Luftangriffe auf japanische Militärstützpunkte vorausgegangen waren, konnte General Douglas MacArthur sein Versprechen - "I shall return!" - einlösen: Am 20. Oktober 1944 ging er in Begleitung der philippinischen Exilregierung am Red Beach bei Tacloban (Leyte) an Land. Im Januar 1945 erreichten die amerikanischen Einheiten Luzon; Manila wurde bei der Rückeroberung im Februar fast völlig zerstört.

Die unabhängigen Philippinen
Am 4.Juli 1946 wurden die Philippinen als erste Kolonie Asiens in die Unabhängigkeit entlassen. Mit der offiziellen Übertragung ihrer Souveränitätsrechte an die Republik der Philippinen unter Präsident Manuel A. Roxas (1946-48) gewährten die Amerikaner dem philippinischen Volk zwar formell die politische Selbstbestimmung, jedoch blieb das Land auch weiterhin durch eine Reihe von politischen und wirtschaftlichen Verträgen eng an die USA gebunden. Das Abkommen vom 14, März 1947 sicherte den Vereinigten Staaten das Recht zu, für die Dauer von 99 Jahren auf philippinischem Hoheitsgebiet Militärstützpunkte zu errichten (diese Zeitspanne wurde allerdings 1959 auf 15 Jahre reduziert). Der Bell Trade Act 1946 (1954 ergänzt durch das erst am 3. Juli 1974 ausgelaufene "Laurel-Langley Abkommen") überließ den Amerikanern die absolute Kontrolle über die Währungspolitik und den gesamten Handelsverkehr (während der philippinische Export nach den USA Beschränkungen unterworfen war, konnten die Philippinen keine protektionistischen Maßnahmen gegen amerikanische Importe ergreifen). Nach der in den Wirtschaftsabkommen verankerten Paritätsklausel hatten amerikanische Bürger bei der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Philippinen (Landwirtschafts- und Waldgebiete sowie Bodenschätze u. a) die gleichen Rechte wie Filipinos, (diese Bestimmung machte übrigens 1946 eine Änderung der philippinischen Verfassung nötig und erregte in der Folgezeit die meiste Unzufriedenheit im philippinischen Volk).

Die Amtszeit des liberalen Präsidenten Elpidio Quirino (1948-53) war charakterisiert durch eine verschärfte politisch-wirtschaftliche Krise und vor allem durch eine wachsende Guerillatätigkeit der "HUK" .Diese kommunistisch geführte Untergrundarmee, die sich überwiegend aus unzufriedenen landlosen Bauern rekrutierte, hatte im Zweiten Weltkrieg gegen die japanischen Besatzer gekämpft, weigerte sich nach Kriegsende, die Waffen niederzulegen, und richtete ihren Partisanenkampf nun gegen die Regierung. Ihr erklärtes Ziel: die Abschaffung der durch äußerst ungleiche Bodenverteilung verursachten sozialen Ungerechtigkeit mittels einer radikalen Landreform (zur damaligen Zeit waren über 85% der in der Landwirtschaft Beschäftigten auf Zentralluzon, dem Hauptaktionsgebiet der "Huk", landlose Pächter!). Die ca. 20-30 000 Mann starke Guerillaarmee konnte sich auf eine breite Massenbasis (etwa 5 Millionen Anhänger) stützen und erwies sich als so erfolgreich, daß Anfang der 50er Jahre ein gewaltsamer Umsturz unmittelbar bevorzustehen schien. Dem damaligen Innenminister und späteren Präsidenten Ramon Magsaysay (1953-57) aber gelang es, die Guerilla durch massiven Einsatz von Regierungsstreitkräften militärisch zu besiegen und ihnen zudem durch soziale Reformen (teilweise Neuordnung der Agrarstruktur, drastische Beschränkung des Pachtzinses u. a.) die Basis in der Bauern- und Landarbeiterschaft zu entziehen.

1954 war die Hukbalahap weitgehend aufgerieben. Präsident Magsaysay verschaffte sich durch seine von breiten Schichten der Bevölkerung gestützte Politik des sozialen Ausgleichs eine ungeheure Popularität, sein Reformwerk aber scheiterte letztendlich am Widerstand der einflußreichen Großgrundbesitzer. Nach Magsaysays tödlichem Flugzeugabsturz auf Cebu im Jahre 1957 folgten ihm Carlos Garcia (1957-61), Diosdado Macapagal (1961-65) und schließlich Ferdinand Marcos (19651986) im Präsidentenamt. In den beiden Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wechselten sich die beiden großen, nach amerikanischem Muster entstandenen Parteien - die Nacionalista Party und die Liberal Party - nach jeder Legislaturperiode in der Regierungsverantwortung ab. jedoch unterschieden sich ihre politischen Programme nur in Nuancen; beiden gemeinsam war die Loyalität gegenüber den USA und ihr Wille, die Privilegien der herrschenden Oberschicht zu wahren. Außenpolltisch verfochten alle philippinischen Nachkriegspräsidenten einen strikt antikommunistischen Kurs. 1954 erfolgte der Beitritt des Landes zum Südostasienpakt (SEATO), einer durch den "Vertrag von Manila" als Gegengewicht zum in Asien expandierenden Kommunismus gebildeten Organisation (die Mitgliedschaft hatte eine Teilnahme philippinischer Verbände am Vietnamkrieg zur Folge). Auf Präsident Macapagals Initiative schlossen sich 1963 die Philippinen, Indonesien und Malaysia zur (nur kurzlebigen) "Großmalaiischen Konföderation" (MAPHILINDO) zusammen.

Nach der Unabhängigkeit der Philippinen hatte es die kleine, aber mächtige Führungsschicht - die Oligarchie der großgrundbesitzenden, immens reichen Traditionsfamillen, deren Ursprünge in der feudalen Gesellschaftsstruktur der spanischen Kolonialzeit wurzeln - geschickt verstanden, alle entscheidenden Posten in Politik und Ökonomie zu besetzen. Nepotismus und Korruption traten im Staats- und Wirtschaftsleben offen zutage: So überstieg bei verschiedenen Präsidentschaftswahlen in manchen Wahlkreisen die Zahl der abgegebenen Stimmen die Bevölkerungsziffer bei weitem. Während der zweiten Amtszeit von Präsident Marcos (1969 wiedergewählt) trieb die philippinische Republik der totalen Anarchie entgegen: Politiker und reiche Familien unterhielten bewaffnete Leibgarden; Schießereien zwischen rivalisierenden Gruppen, sogar unter Polizeieinheiten, waren ebenso an der Tagesordnung wie politisch motivierte Bombenanschläge; die Kriminalitätsrate stieg auf internationales Spitzenniveau (Beiname der Philippinen zur damaligen Zeit: Der wilde Osten); in den Provinzen kam es zu heftigen Gefechten zwischen Guerilleros und Regierungseinheiten. Auf dem Höhepunkt militanter Studentenproteste gegen die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Mißstände verhängte Präsident Marcos am 21. September 1972 das Kriegsrecht über das Land und setzte damit alle demokratischen Institutionen außer Kraft. Offiziell begründete Marcos seinen Schritt mit der zunehmenden Gesetzlosigkeit und der angeblichen Gefahr eines geplanten kommunistischen Aufstands. Seine Kritiker jedoch beargwöhnen seine Motive, da er sich dem Ende seine zweiten Amtsperiode näherte und, gemäß Verfassung, ein drittes Mal nicht kandidieren durfte.

Das Ausland entrüstete sich, nicht wenige Filipinos jedoch begrüßten diesen Schritt ebenso wie die von Marcos proklamierte Schaffung gerechterer sozialer Verhältnisse in einer Neuen Gesellschaft (New Soclety oder Bagong Lipunan). Einen Anfangserfolg konnte Marcos in der Tat verbuchen: Nach der Auflösung von 150 Privatarmeen und der Konfiszierung von über 650 000 Waffen kehrten wieder Ruhe und Ordnung ein, sank die Kriminalität im ganzen Land um etwa 90%. In den anderen Punkten seines Reformprogramms (Beschneidung der Macht der Grundbesitzer,Realisierung der überfälligen Landreform, Bekämpfung der Korruption, Verbesserung des Gesundheitswesen u. a.) allerdings scheiterte er. Marcos schränkte zwar die Macht der alten Eliten ein, änderte aber wenig am System der Herrschaft der Famillenclans, sondern verteilte nun vielmehr die politische und wirtschaftliche Macht im Lande , auf eigene Verwandte und Günstlinge. Die Landreform, eines seiner Kernversprechen, wurde nur zum Teil realisiert, obwohl gerade in der ungerechten Landverteilung die Hauptursache für soziale Spannungen liegt. Ein Referendum im Juli 1973 bestätigte mit großer Mehrheit Marcos als Präsident und Premierminister. Jedoch wandelte sich das "lächelnde Kriegsrecht" rasch zu einem unverhohlen totalitären System und Marcos, von der offiziellen Propaganda als "Revolutionär ohne Waffen" verklärt, zu einem Autokraten, der das Land mit diktatorischen Dekreten regierte. Nach der Verhängung des Ausnahmezustands wurde das Militär als Stütze des Marcos-Regimes mit Privilegien versehen, gefordert wurde als Gegenleistung fortan nur noch Ergebenheit gegenüber dem Diktator, nicht mehr gegenüber der Verfassung.

Den massiven staatlichen Terror belegen Dokumentationen internationaler Menschenrechtsorganisationen. Amnesty International schätzt, daß seit 1972 mehr als 50 000 oppositionelle Politiker, Journalisten, Gewerkschaftsführer, Studenten und angebliche Kommunisten von den Sicherheitskräften inhaftiert wurden. Zahllose Fälle von Folterungen politischer Gefangener sind ebenso erwiesen wie die Verschleppung und das "Verschwindenlassen" ("salvaging") Tausender von Oppositionellen durch die Armee. Ferner wurden von den Streitkräften oder den Militärs nahestehenden Einheiten, die den mittelamerikanischen Todesschwadronen ähneln, Hunderte von politischen Morden an mißliebigen Gegnern und Kritikern begangen. Im Vorfeld des Besuchs von Papst Johannes Paul 11. am 17. Januar 1981 hob Präsident Marcos das Kriegsrecht formell auf, ohne dabei jedoch seine umfassenden Befugnisse zu beschränken. Am 21. August 1983 wurde Benigno ("Ninoy") Aquino, früher liberaler Senator und Führer der bürgerlichen Opposition, bei seiner Rückkehr aus dem amerikanischen Exil auf dem Flughafen von Manila erschossen. Die Kugeln seiner Mörder, deren Auftraggeber im Umkreis des damaligen präsidialen Machtapparats zu suchen sind, machten Aquino zum Volkshelden und Märtyrer. Die Empörung über seine Ermordung löste eine Protestwelle aus, wie sie die Philippinen seit Ende der 60er Jahre nicht mehr erlebt hatte; dieTrauerfeierlichkeiten für Aquino gestalteten sich zu einem einzigen Plebiszit gegen die Marcos-Diktatur. Massendemonstrationen brachten Hunderttausende auf die Straße, die den Rücktritt der Regierung forderten. Die Anti-Marcos-Front verlief durch alle Bevölkerungsschichten, verrnehrt reihten sich auch konservative Geschäftsleute, Unternehmer und Bankiers ein. Zumindest indirekt hat Aquinos Tod zum überraschenden Erfolg der Opposition bei den Parlamentswahlen vom 14. Mal 1984 beigetragen.

Für Marcos war dieser politische Mord der Anfang vom Ende, für die Witwe, Corazon ("Cory") Aquino, der Beginn eines Lebens im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Innerhalb nur weniger Monate wurde sie zum Symbol für den Widerstand gegen den Despoten. Als die demokratische Opposition anschwoll und gleichzeitig die Gefahr einer kommunistischen Erhebung ernster wurde, versuchte Washington, den bedrängten Diktator, der stets einen US-freundlichen und stramm antikommunistischen Kurs garantiert hatte, zu demokratischen Zugeständnissen zu bewegen. Bei den vorgezogenen Präsidentenwahlen vom 7. Februar 1986, die auf Drängen der Reagan-Administration zustandekamen, sollte sich Marcos eine neue demokratische Legitimation holen. Überraschend schnell aber gelang es der Präsidentschaftskandidatin Cory Aquino mit Unterstützung der mächtigen katholischen Kirche, die legale moderate Opposition, die sich lange Zeit nicht als geschlossener Block präsentierte, sondern in zahlreiche Splittergruppen gespalten war, im Widerstand gegen Marcos zu vereinen. Der Wahlkampf des Gespanns Aquino Laurel wurde zu einem einzigartigen Triumphzug. Ferdinand Marcos und seine Regierungspartei KBL setzten dagegen auf die Überzeugungskraft des in vielen philippinischen Wahlen bewährten Instrumentariums: auf "guns, goons (= Schläger) and gold", Trotz der Präsenz von rund 500 000 Freiwilligen zumeist Nonnen, Priester und Lehrer der unabhängigen "Nationalen Bürgerbewegung für freie Wahlen" (NAMFREL) in den Wahllokalen bestimmten Wahlbetrug durch Einschüchterung, blutige Gewalt, ungenierter Stimmenkauf, gefälschte Wählerlisten und sogar dreister Wahlurnendiebstahl den Ablauf dieses für die Philippinen schicksalhaften Tages.

Überall wurden ganze Wagenladungen mit "fliegenden Wählern" von Ort zu Ort gekarrt, um gleich mehrmals die Stimmen für Marcos abzugeben. Die Korruption der Mächtigen hat Tradition auf den Philippinen, doch diesmal übertraf der Wahlbetrug alle Befürchtungen. Der Diktator aber unterschätzte die um den Wahlsieg gebrachte Cory Aquino und den Freiheitswillen des philippinischen Volkes. In zahlreichen Appellen rief Frau Aquino zum zivilen Ungehorsam, zum Generalstreik und zum Boykott aller Marcos-Unternehmen auf. Nachdem auch die Bischofskonferenz unter Vorsitz des versierten Erzbischofs von Manila und philippinischen Primas, Jaime Cardinal Sin, die Wahlmanipulationen der Marcos Administration gegeißelt hatte und zudem Washington auf Distanz zu seinem einstigen Schützling ging, fand der Aufruf zum gewaltlosen Widerstand auch bei der Reformbewegung in den Streitkräften, der etwa 60% aller Offiziere angehörten, Unterstützung. Die spektakuläre Rebellion der vom ehemaligen Verteidigungsministerjuan Ponce Enrile und dem damaligen stellvertretenden Generalstabschef Generalleutnant Fidel V. Ramos angeführten Fraktion brachte schließlich den Diktator zu Fall, zwang ihn zu seinem schmählichen Abgang ohne Glanz und Würde.

Während der dramatischen Tage nach der Gehorsamsverweigerung der Spitzenmilitärs gaben die Philippinen der Welt ein historisches Beispiel für eine weitgehend unblutige Revolution. Zum erstenmal in der Geschichte hat ein wehrloses Volk rebellierende Soldaten vor der Rache eines Gewaltregimes beschützt. Hundertausende singender und betender Filipinos stellten sich auf den Straßen Manilas den Panzern Marcos-treuer Truppen in den Weg, bildeten buchstäblich mit ihren Körpern einen Schutzwall um die Stellungen der revoltierenden Einheiten. Am 25. Februar 1986 wurde Corazon Aquino zur siebten Präsidentin der Philippinen vereidigt. Der demokratische Neubeginn unter der Aquino-Regierung jedoch war von Anfang an stark belastet mit dem Erbe der diktatorischen Vergangenheit: ein kommunistischer Aufstand, der den gesamten Archipel erfaßt hatte; eine durch Korruption und hemmungslose Bereicherung ausgeblutete Wirtschaft und zerrüttete Staatsfinanzen; eine gespaltene Armee; Separatismus im moslemischen Süden des Landes; Massenarmut und Menschenrechtsverletzungen. Zusammengehalten wurde die Aquino-Koalltion allein durch ihre gemeinsame Opposition gegen die Marcos-Diktatur. In ihr fanden sich konservative Geschäftsleute, bürgerliche Oppositionelle, Vertreter des katholischen Klerus, reformwillige Militärs, aktive Menschen- und Bürgerrechtler, aber auch ehemalige Repräsentanten des Marcos-Regimes.

Es war dies von vornherein eine fragile Allianz, was die völlig entgegengesetzten Interessen der beiden Pole, Militärs auf der einen und liberale Demokraten auf der anderen Seite, widerspiegelten. Trotz Corazon Aquino als Integrationsfigur waren damit Spannungen und interne Streitigkeiten, die später lange Zeit ihr Kabinett paralysierten, vorprogrammlert. Nationale Versöhnung hatte das Motto Frau Aquinos bereits während ihres Wahlkampfes gelautet. Bereits wenige Tage nach ihrem Amtsantritt amnestierte sie Hunderte von politischen Gefangenen, darunter - gegen den entschiedenen Widerstand ihrer militärischen Berater - kommunistische Spitzenkader wie den Mitbegründer der CCP Jose Maria Sison und den Gründer der NPA Bernabe Buscayno. Eine weitere Priorität sah die neue- Präsidentin in der Beendigung des damals bereits 17 Jahre andauernden Guerillakrieges. Trotz ständiger Versuche des damaligen Verteldigungsministers Enrile und reaktionärer Militärs, die Friedensverhandlungen zu torpedieren, kam es am 27. November 1986 zur Veeeinbarung eines 60 tägigen Waffenstillstands zwischen Regierungsvertretern und Unterhändlern der National Democratic Front. Einen Monat nachdem Corazon Aquino ihren Eid abgelegt hatte, setzte sie die alte Marcos-Verfassung außer Kraft, löste das immer noch von der Marcos-Partei KBL dominierte Parlament auf und proklamierte eine vorläufige Freiheitsverfassung. Bis zur Ratifizierung eines neuen, von einer 50 Mitglieder zählenden verfassungsgebenden Versammlung ausgearbeiteten Grundgesetzes, hatte Frau Aquino als Präsidentin Blankovollmacht, Gesetze zu verabschieden oder zu modifizieren sowie u. a. die Verwaltung neu zu organisieren.

Zu einer ersten innenpolltischen Krise führte die komplette Umstrukturierung der Administration. 70 Provinzgouverneure, 1600 Bürgermeister und über 10 000 Stadträte, allesamt einstige Marcos-Leute, wurden entlassen und (oft willkürlich) vorwiegend durch PDP/Laban- sowie UNIDO-Anhänger ersetzt, die außer ihrer Loyalität gegenüber der Aquino-Regierung keinerlei Eignungskriterien vorzuweisen hatten. Geschichten über Ämterkauf und Vetternwirtschaft (dieses Mal unter anderen Vorzeichen) begannen schon bald die Runde zu machen.Behinderte zunächst lediglich verbales Störfeuer (vor allem von Verteidigungsminister Enrile) den Demokratisierungsprozeß, so drohte das Experiment >Demokratie auf den Philippinen< in den ersten anderthalb Jahren der Präsidentschaft Cory Aquinos mehrere Male im Kugelhagel rebellierender Militäreinheiten zu scheitern. Den Auftakt einer Serie von Umsturzversuchen Marcos-loyaler Kräfte bildete der sogenannte >Tolentino-Putsch,. Am 6. Juli 1986 verschanzte sich der frühere Außenminister Arturo Tolentino mit einigen hundert Soldaten im Manila Hotel der Hauptstadt, erklärte sich selbst zum amtierenden Staatsoberhaupt und das Aquino-Kabinett als abgesetzt. Der dilettantische Versuch, die Regierung von Frau Aquino aus den Angeln zu heben, scheiterte bereits nach 36 Stunden. In der Folgezeit häuften sich die Putschgerüchte in Manila. Am 23. November 1986 entließ Präsidentin Aquino Verteldigungsminister Enrile, da fast alle Putschpläne und Umsturzversuche mit ihm in Zusammenhang gebracht wurden. Doch weitere Rebellionen der Militäreinheiten, die zum Teil vom exilierten Diktator von Hawaii aus inszeniert worden sein sollen, folgten. Insgesamt hat Corazon Aquino sieben Putschversuche überstanden, den schwersten und blutigsten davon Anfang Dezember 1989 (100 Tote, 300 Verletzte), als es ihr nur mit massiver amerikanischer Hilfe gelang, einen Aufstand größerer Armee Einheiten niederzuschlagen. Nicht nur in direkten Rebellionen gegen die Aquino Regierung versuchten reaktionäre Militärkreise, den Prozeß der Demokratisierung und der nationalen Versöhnung auf den Philippinen zu unterlaufen.

Am 22. Januar 1987 schossen Marineinfanteristen an der Mendiola-Brücke in der Nähe des Präsidentenpalastes auf friedlich demonstrierende Bauern, töteten dabei 18 Menschen und verletzten über hundert. Seit Beginn der 70er Jahre hatte Manila eine solche Brutalität, ein derartiges Massaker nicht mehr erlebt. Nicht nur Linke und Liberale fragten sich entsetzt: Kehren die Marcos Jahre wieder? Folge des Blutbads: Die Verhandlungsführer der NDF brachen die Waffenstillstandsgespräche mit der Regierung ab und gingen wieder in den Untergrund. Danach tobte der Krieg zwischen Regierungstruppen und der Guerilla jahrelang blutiger als je zuvor.Trotz allem ging der formale Demokratisierungsprozeß weiter. Am 2. Februar 1987 votierte die philippinische Bevölkerung in einem Referendurn, das gleichzeitig als Popularitätstest für Corazon Aquino gelten konnte, mit deutlicher Mehrheit (fast 80%) für die neue Verfassung. Allerdings stimmten in den Kasernen höchstens 50% der 250000 Soldaten für das neue Verfassungswerk. Der Ausgang des Volksentscheids hat die politische Mitte gestärkt; Verlierer waren die rechtsextremen und die linken Oppositionskräfte, die aus unterschiedlichen Motiven versucht hatten, die Massen für ein >Nein< gegen das Grundgesetz zu mobilisieren. Nächste Etappe auf dem Weg zur Etablierung demokratischer Verhältnisse waren die Kongreßwahlen vom 11. Mai 1987, bei denen über 25 Millionen Wahlberechtigte ihre Volksvertreter für das Repräsentantenhaus (200 gewählte und 50 von der Präsidentin ernannte Mitglieder) sowie für den Senat (24 Mitglieder) wählten. Obwohl es auch in der Nach-Marcos Ära nicht ohne Stimmenkauf und Wahlbetrug - sowohl gegen die rechte als auch die linke Opposition - abging, waren dies nach fast zwei Jahrzehnten die ersten halbwegs freien Parlamentswahlen auf den Philippinen.

Mit erdrückender Mehrheit zogen die Kandidaten der damaligen Regierungskoalition Lakas ng Demokratikong Pilipina (LDP) in beide Häuser des Zweikammerparlaments ein. Mit den Kommunalwahlen vom 18. Januar 1988, bei denen die neuen Provinzgouverneure sowie Bürgermeister und Stadträte gewählt wurden und bei denen der Koalltionsblock Corazon Aquinos wiederum als Sieger hervorging, konnte die formelle Rückkehr zur Demokratie schließlich abgeschlossen werden. Aus den Präsidentschaftswahlen vom 11. Mal 1992, bei denen Frau Aquino laut Verfassung nicht mehr kandidieren durfte, ging der ehemalige Generalstabschef und Verteldigungsminister Fidel Ramos als Sieger hervor. Nach Ferdinand Marcos' Vertreibung von den Philippinen brach in der Inselrepublik unbeschreiblicher Jubel aus. Der Sturz der jahrzehntealten Diktatur schien eine neue Ära der Demokratie, der Abschaffung staatlicher Willkür, der Beseitigung von Hunger, Armut und Ausbeutung einzuläuten, Nach ihrem Amtsantritt hatte Corazon Aquino dem Volk nicht nur den wirtschaftlichen Aufschwurig und bessere Lebensverhältnisse, sondern auch ein demokratischeres System, Freiheit und Gerechtigkeit verheißen, während ihrer Amtsperiode jedoch kaum eines der Versprechen eingehalten. Uni die Herrschaft der Marcos Clique zu brechen, hatte die Aquino Koalition die Unterprivilegierten mobilisiert. Die Macht, die danach installiert wurde, aber war wieder eine der reichen Führungselite.

Die Regierung Aquino entschuldigte die desolate Lage gern mit einer Reihe von Naturkatastrophen, die das Land in den letzten Jahren heimgesucht hatten. Erdbeben und Talfune sowie vor allem der verheerende Ausbruch des Vulkans Mt. Pinatubo, hätten nach Angaben des Präsidentenpalastes den Staatshaushalt extrem belastet. Aber während im Katatrophengebiet um den Pinatubo die Menschen in schäbigen Evakulerungslagern vor sich hin vegetierten, verschwanden Millionen Dollar internationaler Hilfsgelder in den Kanälen einer geradezu abenteuerlichen Korruption und Inefflzienz. Diesen Sumpf trockenzulegen und die Philippinen in eine prosperlerende Zukunft zu führen, hat Präsident Fidel Ramos angekündigt. Zum Abschluß der "Mutter aller Arbeitstagungen", zu der er Anfang 1993 rund 150 Wirtschaftsexperten in Manila versammelt hatte, legte Ramos ein 31-Punkte-Programm vor, mit dem er die stagnierende philippinische Wirtschaft wieder in Schwung bringen und die Inselrepublik bis zum Jahr 2000 in ein sogenanntes "Newly Industrialised Country" verwandeln will. Ob Ramos diese hochgesteckten Ziele angesichts der gegenwärtigen desolaten Ausgangslage aber wird erreichen können, erscheint mehr als fraglich.

Zeittafel
ab ca. 250 000 Erste Besiedlungsspuren auf den Philippinen
ab ca. 30 500 Erstes Auftreten des Homo Sapiens (Tabon-Mensch)
ab ca. 25 000 Besiedlung der Philippinen durch negroide Urvölker
gegen 3000 und 1000 Zwei Einwanderungswellen proto- oder altmalaiischer Völker; Entstehung einer jungsteinzeitlichen Kultur
ab ca. 200 Einwanderung deutero- oder jungmalaiischer Völker;Beginn der philippinischen Bronze-Eisenzeit
Frühe Kontakte zu Nachbarstaaten
ab ca. 600 Handelskontakte mit China
ab ca. 800 Einfluß des kolonialindischen Sri-Vijaya-Großreiches
ab ca. 1000 Inlensivierte Handelsbeziehungen zu China und später auch zu Japan
13. Jh. Einwanderung malaiischer Datu von Borneo; Gründung erster chinesischer Niederlassungen
14./15. Jh. Einfluß des hinduistischen Majapahit-Imperiums; zeitweise Tributpflicht philippinischer Stammesfürsten gegen über der chinesischen Ming-Dynastie

Die Islamisierung der südphilippinischen Inseln
ab 1380 Vordringen des Islam von Borneo über den Sulu-Archipel
1450 Gründung des moslemischen Sultanats von Jolo
1475 Errichtung des moslemischen Sultanats von Maguinda nao (Mindanao) und Ausbreitung des Islam bis Zentral luzon

Die spanische Kolonialepoche
16. März 1521 Ferdinand Magellan erreicht die Insel Homonhon und nimmt die philippinischen Inseln für Spanien in Besitz
7. April 1521 Konvertierung 800 Eingeborener zum Christentum
27. April 1521 Tod Magellans auf der Insel Mactan
1542 Lopez de Villalobos benennt im Verlauf der vierten spanischen Philippinenexpedition den Archipel nach dem Kronprinzen und späteren König Philipp den 2.
März 1565 Miguel Lopez de Legazpi beginnt mit der Eroberung der Philippinen; Beginn der spanischen Kolonialherrschaft
27 April 1565 Eroberung der Insel Cebu; wenig später Gründung der Stadt Cebu
1565-70 Beginn des Galeonenhandels zwischen den Philippinen und Mexiko
1571 Eroberung des moslemischen Fürstentums Maynilad
24.Juni 1571 Legazpi gründet Manila und ernennt die Stadt zur Hauptstadt der Philippinen
1574/75 Angriffe des chinesischen Piraten Limahong auf Manila
ab 1578 Beginn der spanischen Feldzüge gegen die >Moros< (Moslems)
Ende 16. Jh. Beginn der christlichen Missionierung
bis 1600 Unterwerfung der philippinischen Inseln bis auf den moslemischen Süden
15. März 1646 Seesieg der Spanier über die Holländer in der Bucht von Manila
1762-63 Britische Besetzung Manilas
1815 Ende des Manila-Acapulco-Handels; danach Öffnung Manilas für den internationalen Handel
1821 Mexikanische Revolution mit folgender Unabhängigkeit; die Philippinen, bis dahin Kronkolonie von Mexiko, werden Madrid direkt unterstellt
20. Januar 1872 Cavite-Aufstand; Beginn des nationalen Unabhängigkeitskampfes
1872 Gründung der Propagandabewegung
1892 Jose Rizal gründet die antiklerikale Liga Filipina, Andres Bonifacio den revolutionären Geheimbund Katipunan: Verbannung Rizals nach Mindanao
19. August 1896 Bonifacios Cry of Balintawak setzt das Zeichen für den Beginn der Philippinischen Revolution
30. Dezember 1896 Hinrichtung Jose Rizals
1897 General Emilio Aguinaldo übernimmt die Führung der Freiheitsbewegung
20. April 1898 Beginn des Spanisch-Amerikanischen Kriegs
12.Juni1898 General Aguinaldo ruft die Unabhängigkeit der Philippinen aus
10. Dezember 1898 Im Friedensvertrag von Paris tritt Spanien die Philippinen an die USA ab

Die amerikanische Kolonialepoche
23. Januar 1899 Der Malolos-Kongreß verkündet eine parlamentarische Verfassung und ernennt Emilio Aguinaldo zum Präsidenten der Ersten Republik der Philippinen
1899-1901 Philippinischer Unabhängigkeitskampf gegen die USA
1916 das Jones-Gesetz verspricht den Philippinen nach einer Übergangszeit unter kolonialer Verwaltung die Unabhängigkeit
15. November 1935 Ausrufung des mittels des Tydings-McDuffie-Gesetzes geschaffenen Commonwealth of the Philippines; Manuel L. Quezon wird erster Präsident
Der Zweite Weltkrieg und die japanische Besetzung
8. Dezember 1941 Beginn der japanischen Okkupation
April 1942 Fall von Bataan
Oktober 1944 US-General MacArthur landet auf Leyte; Beginn der Rückeroberung

Die unabhängigen Philippinen
4. Juli 1946 US-Präsident Truman erklärt die Philippinen für unabhängig; Manuel A. Roxas wird erster Präsident
1946/47 Abschluß verschiedener Verträge, die die Philippinen politisch und wirtschaftlich eng an die USA binden
1948-53 Präsidentschaft von Elpidio Quirino
1950-54 Rebellion der Hukbalahap
1953-57 Präsidentschaft von Ramon Magsaysay
1957-61 Präsidentschaft von Carlos Garcia
1961-65 Präsidentschaft von Diosdado Macapagal
30. Dezember 1965 Ferdinand E. Marcos wird Präsident
11. November 1969 Wiederwahl von Präsident Marcos
1970 Beginn des bewaffneten Kampfes der moslemischen Separatistenbewegung MNLF
21. September 1972 Ausrufung des Kriegsrechts; Beginn der Neuen Gesellschaft
ab 1973 Diktatorische Vollmachten für Präsident Marcos
17. Januar 1981 Formelle Aufhebung des Kriegsrechts
17.-22. Februar 1981 Besuch von Papst Johannes Paul 11.
16. Juni 1981 Erneute (umstrittene) Wiederwahl von Präsident Marcos
21. August 1983 Ermordung des Oppositionsführers Benigno Aquino
7. Februar 1986 Vorgezogene Präsidentenwahlen, die Ferdinand Marcos nur mittels massiven Wahlbetrugs gewinnen kann
17.-25. Februar 1986 Nach einer weitgehend gewaltlosen Volkserhebung und einer Rebellion von Spitzenmilitärs gegen das

Marcos- Regime verläßt der Diktator das Land
25. Februar 1986 Corazon (Cory) Aquino wird zur siebten Präsidentin der Philippinen vereidigt
22. Januar 1987 Massaker an der Mendiola-Brücke in Manila
9.-11. Juli 1989 Staatsbesuch von Corazon Aquino in der BRD
28. September 1989 Ferdinand Marcos stirbt im Exil auf Hawaii
16. Juli 1990 Erdbeben in Baguio mit etwa 1600 Todesopfern
12. Juni 1991 Ausbruch des Vulkans Mt. Pinatubo mit etwa 800 Todesopfern
28. November 1991 Schwerer Taifun auf den Inseln Leyte, Negros und Samar mit mehr als 7000 Todesopfern
11. Mai 1992 Fidel Ramos gewinnt die Präsidentschaftswahlen und wird zum achten Präsidenten der Philippinen vereidigt
24. November 1992 Schließung der Subic Naval Base bei Olongapo und Ende der amerikanischen Militärpräsenz auf den Philippinen

(Quelle: Internet, Verfasser unbekannt)



 

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